Multitaskingfähig: Bitterstoffe in der Nahrung
Kennen Sie das wohltuende Gefühl, nach einem üppigen Essen mit einem bitteren Digestif die Verdauung anzuregen? Üblicherweise ist hochprozentiger Alkohol (vor allem klare Schnäpse) nach dem Essen eher kontraproduktiv. Die Muskulatur entspannt sich, auch die des Magens, und so liegt der Speisebrei noch länger im Magen, anstatt dass endlich mit der Verdauung begonnen wird. Die Bitterstoffe in einem Kräuterschnaps sorgen jedoch dafür, dass die Funktion der Leber und der Galle angeregt und mit der Verdauung begonnen wird. Natürlich braucht es dazu nicht zwangsläufig einen Schnaps, Bitterstoffe können auch in Form von Tee oder Kapseln zugeführt werden. Auch in den Speiseplan können und sollen regelmässig Bittersstoffe eingebaut werden. Sie können jedoch noch viel mehr, als unserer Verdauung einen Schubs zu geben.
Bitter = eklig?
Wir kennen es wohl alle von unseren Kindern: Was bitter schmeckt, stösst meistens auf Ablehnung. Zu ihrer Verteidigung muss man allerdings auch dazu sagen, dass Kinder bitteren Geschmack stärker wahrnehmen als Erwachsene. Im Laufe des Lebens reduzieren sich unsere Geschmacksknospen auf der Zunge, und somit wird auch unser Geschmackssinn weniger ausgeprägt.
An bitteren Geschmack kann man sich durchaus gewöhnen (man frage einen Bierliebhaber). Bitterkeit mag für das Gemüt negativ behaftet sein, für den Gaumen muss das definitiv nicht gelten. Wer eine längere Kur mit Bitterstoffen plant, sollte nach einigen Wochen die Kräuter wechseln aufgrund des Gewöhnungseffektes.
Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war der regelmässige Verzehr von Bitterstoffen in Form von Salaten, Kräutern oder Wildpflanzen üblich. Heutzutage sind wir aber im Essen bitteren Geschmack nicht mehr gewöhnt, da die clevere Nahrungsmittelindustrie weiss, dass das oft keinen Anklang findet. So werden bei vielen Nahrungsmitteln die Bitterstoffe weggezüchtet zugunsten eines milderen Geschmacks. Das Augenmerk wird auf Süss und Wohlschmeckend gelegt, der gesundheitliche Aspekt bleibt auf der Strecke. Einzig in der mediterranen Küche findet man noch häufiger die gesunden Naturstoffe, weil oft Artischocken, Olivenöl oder bittere Küchenkräuter verwendet werden.
Wer seinem Speisenplan wieder ein wenig Bitterkeit zurückgeben möchte, sollte sich an folgende Pflanzen halten: Chicorée, Cicorino Rosso-Salat, Löwenzahnblätter und Rucola sind schmackhafte und gesunde Ergänzungen in einem bunten Salat. Auch Kräuter mit Bitterstoffen kann man in die tägliche Ernährung aufnehmen: Lorbeer, Majoran, Thymian, Estragon, Rosmarin oder Liebstöckel. Grapefruit und Cranberry sind natürliche Bitterstofflieferanten, ebenso wie Amaranth, Quinoa oder Kohlsprossen.
Bittere Salat- und Gemüsepflanzen sind übrigens allesamt kalorienarm. Zudem soll bitterer Geschmack die Lust auf Süsses dämpfen. Wer eine Diät macht, sollte die Bitterstoffe allerdings zu den Mahlzeiten oder danach einnehmen, denn sie fördern den Appetit.
Warum sind Bitterstoffe so gesund?
Im Tierreich hat es sich schon lange durchgesetzt, dass instinktiv bittere Kräuter gefressen werden, wenn Tiere akut erkranken. Wir haben eingangs bereits gehört, dass Bitterstoffe die Verdauung fördern. Sie beleben den gesamten Verdauungstrakt, die Darmperistalktik kommt in Schwung, wichtige Verdauungssäfte in Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, Magen und Darm werden gebildet. Somit haben Bitterstoffe eine positive Wirkung auf eine Vielzahl von Verdauungsstörungen wie beispielsweise:
- Appetitlosigkeit
- Blähungen
- Verstopfung
- Völlegefühl
- Magen-/Darmkrämpfe
- Leber-/Bauchspeicheldrüsen- und Gallenfunktionsstörungen
Auch Müdigkeit, Mattigkeit und Antriebslosigkeit, sowie Störungen des Immunsystems können mit den bitteren Stoffen aus der Natur behandelt werden. Immerhin sitzen 80 % des Immunsystems im Darm, ist also der Darm gesund, profitiert auch unsere Abwehr davon. Bitterstoffe wirken im Darm sekretfördernd, das heisst, sie sorgen dafür, dass sich die Schleimhäute zusammenziehen und wieder ausdehnen. Dieser Vorgang sorgt für ein schnelleres Ausscheiden von Gift- und Abfallstoffen.
Bitterstoffe sorgen dafür, dass ein übersäuerter Organismus wieder basischer werden kann, indem sie für einen raschen Säureabbau sorgen. Sie stimulieren ausserdem jene Drüsen, welche für die Produktion von Basen zuständig sind.
Sogar bei verschiedenen Hautbeschwerden, wie Ekzemen, Akne oder unreiner Haut haben sich Bitterstoffe bewährt. Bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte braucht es das Zusammenspiel von Bitterstoffen, Darmsanierung und eine Optimierung der Ernährung. So können auch Fettstoffwechselstörungen, leichte depressive Verstimmungen oder funktionelle Herz-Kreislauf-Beschwerden behandelt werden.
Im Mittelalter wurden Bitterstoffe (vornehmlich ein Gebräu aus Enzian- und Angelikawurzel) als Elixir für ein langes, gesundes Leben eingenommen. Viele Heilpraktiker und Naturwissenschaftlicher befürworten regelmässige Bitterstoff-Kuren ab 50, zumal die Produktion der Verdauungssäfte mit dem Alter abnimmt. Eine solche Kur kann problemlos 1 bis 2 Mal pro Jahr durchgeführt werden für jeweils 3 Wochen. In dieser Zeit sollte selbstverständlich auch auf fettes Essen und Alkohol verzichtet werden.
Zu beachten gilt es jedoch, dass es Bitterstoffe in unterschiedlicher Intensität gibt, bzw. Bitterstoffe, die zudem auch noch ätherische Öle enthalten. Neben Ihren aktuellen Beschwerden ist auch Ihr Alter und der Gesamtzustand massgeblich dafür, welche bitteren Stoffe zum Einsatz kommen sollen. Wenn Sie unsicher sind, was für Ihre Beschwerden am besten geeignet ist, lassen Sie sich von einer Fachperson beraten.
Einteilung der Bitterstoffe
Die Pflanzen, welche Bitterstoffe enthalten, haben nicht unbedingt chemische Gemeinsamkeiten. Ihr bitterer Geschmack wird durch unterschiedliche Substanzen in unterschiedlicher Konzentration hervorgerufen. Somit gibt es keinen allgemein gültigen Wert für Bitterkeit.
Die Bitterstoffe lassen sich in fünf Hauptgruppen einteilen:
Die stärkste Bitterstoffpflanze überhaupt, der gelbe Enzian, gehört zur Gruppe der Amara pura (oder Amara tonica). Auch Tausendgüldenkraut oder Chinarinde sind Vertreter dieser Gruppe.
Die Amara aromatica verfügen über eine Erweiterung des Wirkungsspektrums in Form von ätherischen Ölen. So kann man sich hier den krampflösenden, antimikrobiellen oder entzündungshemmenden Effekt zunutze machen. Wichtige Vertreter sind Schafgarbe, Beifuss, Wermut, Löwenzahn, Engelwurz oder Kalmut.
Die Amara acria zeichnen sich dadurch enthaltene scharfe Inhaltsstoffe aus. Bekannt sind Ingwer, Galgang oder Senf.
Die Amara adstringentia verfügen über gefässzusammenziehende Wirkung und fördern die Wundheilung. Die Chinarinde gehört zu dieser Gruppe.
Die Amara mucilaginosa hingegen wirken schleimlösend, das Isländisch Moos ist hierfür bekannt.
Fazit – reichern Sie Ihre Ernährung mit Bitterstoffen an
Egal ob Sie Bitterstoffe in Form von Lebensmittel oder zusätzlichen Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen, eine gute Ernährung sollte diese enthalten. So verbessern Sie Ihre Verdauung und fühlen sich wohler.
Bei puravita finden Sie unterschiedliche Produkte mit Bitterstoffen. Gerne können wir Sie dazu auch beraten.