Räu­chern be­ru­higt und ent­schleu­nigt

Schon seit Jahrtausenden räuchern die Menschen. In unterschiedlichen Kulturen, in unterschiedlichen Formen, mit unterschiedlichen Zielen. Früher wurde vor allem zum Schutz geräuchert. Zur Heilung von Mensch und Tier, gegen Krankheit und Seuchen. Die Heilkräuter sollten negative Einflüsse vertreiben oder auflösen.

Entschleunigendes Ritual

Für den Drogisten Kurt Altermatt ist das Räuchern aber in erster Linie ein schönes Ritual, das entschleunigt. Es bringe Ruhe, man müsse sich Zeit nehmen, es vereine Licht, Wärme und Feuer. «Den aufsteigenden Rauch nehmen wir mit den Augen, aber auch mit der Nase war. Der Duft des entsprechenden Krautes löst in uns etwas aus, Kindheitserinnerungen, vergangene Erlebnisse oder vielleicht auch eine Sehnsucht», sagt Altermatt. Er führt in den Wintermonaten Kundenvorträge zum Thema Räuchern durch. «Gerade in den kalten Monaten, wenn es draussen oft grau und nass ist, kann das Ritual dabei helfen, über ein Stimmungstief hinwegzukommen.» Es lasse die Menschen wieder zur Ruhe kommen. Auch bei Kindern, die über längere Zeit Schlafschwierigkeiten haben, sich im dunklen Zimmer fürchten, rät er zu einem Räucherritual. «Es ist eine Zeit, die Kinder und Eltern bewusst gemeinsam verbringen.» Ausserdem seien die Kinder fasziniert von dem aufsteigenden Rauch, die Wärme wirke entspannend. Beruhigende Essenzen wie der weisse Copal oder Lavendel helfe Kindern, dass sie besser einschlafen könnten.

So funktionierts

Zum Räuchern braucht es eine feuerfeste Form mit etwas Sand oder Kieselsteinen drin. Darauf kommt eine Räucherkohle, die Sie in Drogerien kaufen können. Wenn Sie diese angezündet haben, legen Sie die Kohle auf den Sand und warten ab, bis sie weiss ist. Das dauert ungefähr drei bis fünf Minuten. Dann eine Prise Kraut oder ein Stück Harz auf die Kohle legen. «Weniger ist mehr», sagt Altermatt, «man sollte sehr massvoll dosieren, hinzugeben kann man später immer noch.»

Dann geht es darum, den Moment zu geniessen, den Rauch, den Duft auf sich wirken zu lassen, ihn einzuatmen, die Augen zu schliessen und in sich hineinzuhorchen. «Einige Menschen meditieren während des Räucherns, andere beten, und Dritte beobachten einfach nur den aufsteigenden Rauch.» Jeder müsse für sich selber die Form finden, die ihm am meisten zusagt. «Die Ureinwohner Amerikas haben eine Feder verwendet, um den Rauch zu sich oder zu jemand anderem zu führen.» Auch solche Federn bietet er in seiner Drogerie an. «Allerdings stammen sie nicht von einem Weisskopfadler, sondern von einem Truthahn.» Die Ureinwohner würden darauf Wert legen, dass eine Feder noch nie den Boden berührt hat, «sie fangen sie quasi in der Luft auf», und dass niemand anderes die Feder anfasst. «Es sind schöne Rituale, die nun schon mehrere Jahrtausende bestehen. Das ist es, was mich fasziniert.»

Kräuter zum Räuchern

  • Boldoblätter

    Der Boldostrauch wächst in Südamerika. Die Blätter werden von den Ureinwohnern auch für Zeremonien verwendet. So soll ein Bündel Boldoblätter an der Haustüre vor negativen Einflüssen schützen. Ausserdem sollen sie den Geist öffnen, Blockaden lösen, sie wirkten aber auch beruhigend und ausgleichend bei Nervosität und Schlafstörungen.

  • Juniper

    Juniper besteht aus den Spitzen der nadelförmigen Blätter des Wachholderstrauchs. Er wird bei den Ureinwohnern zur Begrüssung einer Gruppe verwendet und zum Reinigen von Gegenständen. Er soll die geistige Wachsamkeit steigern und bei Nervosität und Stressbelastung helfen. Ausserdem befreie er die Atemwege.

  • Lavendel

    Lavendel kann bei Prüfungsängsten eingesetzt werden. Er soll beruhigend, entspannend und harmonisierend wirken und begünstige den Schlaf. Da der Duft des Lavendels bei vielen Menschen ein Gefühl von Frische und Geborgenheit verleiht, kann er auch als Begleitung in depressiven Zeiten helfen.

  • Tonkabohne

    Die Tonkabohne wird oft als Amulett oder im Lederbeutel getragen. Zum Räuchern verwenden die Ureinwohner die dunkelbraunen, mandelförmigen Samen, um in die Zukunft zu schauen. Ausserdem wirke sie ausgleichend bei Ärger, Reizbarkeit und Stress, wecke die Sinnlichkeit und wirke aphrodisierend. Die Tonkabohne steht für Glück, Wohlstand und Liebe.

  • Osha-Wurzel

    Osha-Wurzel kann Blockaden lösen und die Atemwege befreien. Die Indianer tragen die Wurzel auch als Schutzamulett oder im Medizinbeutel mit sich. Sie wird bei vielen Stämmen der Ureinwohner Nordamerikas für medizinische Rituale verwendet.

  • Pinie

    Pinienharz/-holz/-nadeln ist für viele Ureinwohner die «heilige Medizin». Es wirkt beruhigend, dient der Entspannung und wird begleitend bei Heilungszeremonien eingesetzt. Auch bei Erkältungen und zur Reinigung von Räumen, Orten, Plätzen und Gegenständen ist es hilfreich. Die Piniennadeln sollen schleimlösend wirken und die innere Neugier wecken.

  • Süssgras

    Süssgras wird von den Ureinwohnern auch «Mutterhaar» genannt, ist bei uns besser als Mariengras bekannt. Es wird als Platzreiniger in einer Gruppe verwendet, unterstützt angeblich den Prozess des inneren Loslassens. Es kann auch die Heiterkeit fördern und positive Energien anziehen.

  • Traumkraut

    Traumkraut ist das Kraut der Zacatechichi-Pflanze. Es soll die Traumphasen im Schlaf verstärken. Deshalb räuchern die Ureinwohner es vor dem Schlafengehen. Die Mayas verwenden es bis heute als Wahrsagerpflanze.

  • Wacholderbeeren

    Wacholderbeeren gelten als besonders heilig und werden auch oft im Medizinbeutel getragen. Sie sollen neue Lebensenergie und Mut schaffen, Schutz und Sicherheit geben und die Achtsamkeit stärken. Die Beeren gelten auch als Schutzmittel vor ansteckenden Krankheiten und sollen bei Asthma helfen.

  • Weihrauch

    Weihrauch wird bis heute häufig in der Kirche verwendet. Die Ureinwohner räuchern das Harz zur Desinfizierung von Räumen. Es wirke aber auch stressabbauend, kläre die Sinne und verschaffe Klarheit. Ausserdem unterstütze es geistige Arbeiten. Weihrauch soll ausserdem Insekten vertreiben.

  • Weisser und schwarzer Copal

    Weisser und schwarzer Copal werden als Harz aus dem Baum gewonnen. Der Copal gilt als heilig. Der weisse soll innerlich reinigen und das Herz öffnen. Ausserdem verschaffe er geistige Klarheit. Der schwarze Copal wird bei Lebenskrisen eingesetzt und soll helfen, den richtigen Weg zu finden. Er soll auch gut zum Einschlafen sein.

  • Weisser Salbei

    Weisser Salbei ist das «heilige Kraut» der Ureinwohner. Er wird häufig zur Reinigung von Räumen und Gegenständen verwendet, da er antibakteriell wirke. Ausserdem sei Salbei stärkend für Geist und Gedächtnis, verbreite Frieden und Heilung und gebe geistige Klarheit.

  • Wüstenbeifuss

    Wüstenbeifuss ist für Situationen im Leben, die Entscheidungen erfordern. Beifuss soll die weibliche Seite stärken und wird bei Menstruationsbeschwerden sowie in den Wechseljahren helfen. Ausserdem könne es beruhigen und entspannen

Autorin: Denise Muchenberger Redaktion: Bettina Epper
  • Quelle
    • «Drogistenstern»

    • Marc Gloor, «Räuchern mit indianischen Kräutern»

Aktualisiert am 15. März 2025 23:32
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